Mittwoch, 3. Oktober 2018

Frauen verboten: Die Zünfte wollen uns nicht, so what?

Im Kampf gegen die allgegenwärtige Diskriminierung haben die sensiblen Seelen unter uns ein neues Objekt im Visier: Die Basler Zünfte. Sie sind traditionsgemäss reine Männerdomänen. Die Basler SP fordert jetzt, so quasi im Namen des weiblichen Geschlechts, dass Zünfte sich den Frauen öffnen sollen (Feministen forderten das längst auch anderorts). Deren Ausschluss bedeute Diskriminierung. Und: Die Öffnung sei eine Bereicherung für diese Institutionen.

Das lässt Schmunzeln. Dass die Damen eine Bereicherung sein sollen für die eingeschworenen Männerclubs, ist ja nett gemeint, aber eher Gegenstand linker Schönwetterfantasien. Wer sich überall als Bereicherung sieht, demonstriert nicht nur eine übersteigerte Selbstverliebtheit, er offenbart auch eine Diskrepanz in Selbst- und Fremdwahrnehmung in der Grössenordnung eines Tsunami.

Genauso wie die Zünfte erdreisten sich auch Serviceclubs, keine Frauen aufzunehmen. Neulich habe ich ein Referat gehalten bei Rotary. Dort wurde mir erzählt, dass diese Clubs genauso wie Zünfte unter Druck stehen, weil ihnen das Etikett der Frauenfeindlichkeit angehängt wird; die Vorwürfe hinterlassen die Herren – diplomatisch ausgedrückt – dezent genervt.

Die Entstehung der Zünfte geht zurück ins 12. Jahrhundert, wo sich Handwerker zu organisierten Verbänden zusammenschlossen und Regeln festlegten, die der beruflichen Absicherung und Positionierung dienten. In progressiven Städten wie Köln arbeiteten im Mittelalter auch Frauen im Gewerbe, es gab dort drei reine Frauenzünfte – was eine Ausnahme war. Im wirtschaftlichen Leben heute haben Zünfte an Bedeutung verloren. Ohne sie zu schmälern kann man behaupten, dass es jetzt vor allem Männertreffs sind zwecks Networking und Engagement fürs Gemeinwohl.

Warum also sollen Frauen da nicht dabei sein dürfen – zumal sie ja nicht einfach so ihre eigenen Zünfte gründen können, wie das etwa bei Serviceclubs möglich wäre? Ganz einfach: Weil Männer eben manchmal unter sich bleiben, ihr eigenes Ding machen wollen. Frauen lenken ab. Ohne Frauen sind Männer entspannter. Sie reden untereinander über andere Dinge. Die Gruppendynamik ändert sich. Auch haben Männer und Frauen oft eine unterschiedliche Definition von freizeitlichem Vergnügen.

Frauen haben keinen Nachteil im Leben, wenn sie nicht Zunftmitglied sind. Anders als vor vielleicht 200 Jahren spielt es für den beruflichen und gesellschaftlichen Aufstieg keine Rolle. Auch gibt es heute zahlreiche andere Möglichkeiten für Networking oder gemeinschaftliche Bürgeraktivitäten. Angesichts der hartnäckigen Forderung nach Öffnung stellt sich die Frage: Strebt eine Mehrheit der Frauen im Land eine Mitgliedschaft überhaupt an? Und warum geht das offenbar dringende Bedürfnis nicht von Damen des bürgerlichen Lagers aus? Angesichts ihrer viel stärkeren Vertretung in Wirtschaft und Unternehmertum müssten ja gerade sie in ihrer Zunft-Ablehnung massive Nachteile erkennen.

Und so bleibt wieder einmal nicht viel mehr übrig als das gewohnheitsmässige Gebaren der Feministentruppe, die in ihrer Überempfindsamkeit jeden Entscheid als Ungerechtigkeit und Diskriminierung gegen sich selbst versteht. Ihre selbstgefällige Zwängerei, mit der sie auf Teufel komm raus durchstieren wollen, was nicht nach ihrem Gusto läuft, wird in der Gesellschaft als zunehmend anstrengend empfunden. Männer wollen unter sich bleiben? So, what. Lasst ihnen doch den Spass.