Montag, 8. April 2019

Was wollen Männer von den Frauen?

Machen wir uns nichts vor, Männer sind weniger anspruchsvoll mit den Wünschen an die Partnerin als umgekehrt. Aber komplex wird es auch hier.

Von Tamara Wernli

Nachdem wir vergangene Woche die Ansprüche der Frau ergründet haben, drängt sich heute die Frage auf: Was wollen die Männer? Es gibt ja dieses Bonmot: Der Mann hofft, dass die Frau so bleibt, wie er sie kennengelernt hat. Die Frau wünscht sich, dass er so wird, wie sie ihn sich vorstellt. Es umschreibt die Geschlechter-Unterschiede bezüglich der Anforderungen ganz gut: Der Mann lebt tendentiell nach dem Motto "Leben und leben lassen".

Ich habe die Frage Männern im Alter von 24-64 Jahren in der Community meines Youtube-Kanals gestellt. Die Antworten variieren, aber gewisse Muster lassen sich erkennen: In den Kommentaren wurden am häufigsten Klassiker genannt wie Ehrlichkeit, Humor und Selbstbewusstsein, auch Intelligenz – wobei hier eine Diskrepanz zu wissenschaftlichen Studien auffällt. Gemäss einer Untersuchung im Wallstreet Journal steht bei Männern Intelligenz nicht zuoberst auf der Liste. Sie wünschen sich die Damen sogar etwas dümmer: Man hat herausgefunden, dass Männer nicht gerne mit Frauen zusammen sind, die intelligenter sind als sie selbst. Auch mit Frauen, die mehr verdienen, werden sie nicht restlos glücklich. Bringt die Gattin mehr Kohle nach Hause, sei "eheliche Befriedigung" geringer und eine Scheidung eher wahrscheinlich. Das schreibt die Washington Post und beruft sich dabei auf Studien von Ökonomen der University of Chicago.

Laut meiner kleinen Umfrage ist Akzeptanz eine weitere hochgeschätzte Eigenschaft. Gewisse Frauen haben ein Faible fürs Herumnörgeln und auch in der Erzieherrolle, die sie ungeniert auf erwachsene Familienmitglieder ausdehnen, fühlen sie sich wohl. Das Problem ist, Männer wollen keine neue Mutter und sie würden gerne so sein dürfen, wie man sie einst vorgefunden hat. Auch gibt es diese kritische Zone, in der man als Frau vernünftigerweise auf Einwände verzichtet, dazu zählen seine Hobbies.

Männer wünschen sich von der Frau, dass sie klar sagt, was sie will – und was nicht. Die Kommunikation der Geschlechter unterscheidet sich grundlegend. Männer kennen zum Beispiel das Wort "nein", bei Frauen ist man sich nicht zweifelsfrei sicher. Das Wort kommt ihnen nur schwer über die Lippen, dafür schaffen sie es mit Leichtigkeit, an seiner Stelle elf Sätze zu produzieren zur Begründung, warum sie etwas nicht wollen. Das erklärt auch, warum Frauen pro Tag etwa 350 Wörter mehr benützen. "Bringst du mir ein Sandwich mit?", fragt der Mann im Büro. Frauen brauen dieselbe Anfrage so zusammen: "Hast du ein schönes Wochenende verbracht? Wenn du einkaufen gehst, wäre es vielleicht möglich, dass du mir ein Sandwich mitbringst? Aber wirklich nur, wenn es keine Umstände macht. Soo wichtig ist es nicht." Aufs Jahr gerechnet macht das ein Plus von 127'750 Worten und offenbart, dass direkte Kommunikation nicht die Hauptstärke der Damen ist.

Männer haben ein Bedürfnis nach Anerkennung. Sie mögen es, wenn man ihre guten Qualitäten würdigt, ihnen ab und zu dankt für ihre Arbeit. Gerade in Zeiten, wo Frauen vieles selbst Zustande kriegen, es die Männer nicht einmal mehr fürs Kinder zeugen braucht und Evolutionsbiologen von einem Abschlaffen des Y-Chromosoms sprechen, kann man ihnen eine gewisse Verunsicherung nicht verübeln. Auch hier zeigt sich aber eine Diskrepanz: Einerseits gefällt dem Mann die Bestätigung seiner Liebsten, wenn sie zu ihm hochsieht und als Revanche für seine Mühen die Hemden bügelt oder sein Lieblingsessen kocht – andererseits findet er den Typ Frau unattraktiv, der diese Rolle perfektioniert: Das beschürzte Hausmütterchen. Die unabhängige, selbstbewusste Partnerin ist ihm lieber, die, wenn es sein muss, auch ohne ihn klarkommt. Wir haben die verworrene Situation: Männer wollen zwar nicht, dass sich Frauen wieder hinter den Herd stellen und finanziell keinen Beitrag leisten, sie saugen aber die Qualitäten der fürsorgenden Hausfrau dankbar auf.

Dazu passend halten Männer klassisch feminine Züge für sehr wertvoll: Männer sind empfänglich für Empathie und schmelzen dahin bei liebevoller Behandlung. Diese Wirkung können Frauen ganz einfach erzielen, indem sie den Duft von selbstgebackenem Kuchen ins Haus zaubern – oder Interesse vortäuschen, wenn er von dem strunzdummen Hobby erzählt. Zur Weiblichkeit gehört für die Herren auch die Pflege des Erscheinungsbildes. Wissenschaftler erklären ihre Fixierung auf den Körper mit dem Urinstinkt: Weibliche Formen sind ein Zeichen von Fruchtbarkeit. Sie haben herausgefunden, dass die meisten Männer die klassische Sanduhr-Figur bevorzugen – und ob eine Dame der gewünschten Bauart entspricht, wird in den ersten 200 Millisekunden einer Begegnung bewertet. Bei Männern, die nach einer Beziehung Ausschau halten, dominiert zur Beurteilung das Gesicht.

Interessant an meiner Umfrage ist, dass die sexuellen Begabungen kaum zur Sprache kamen. Männer sind offensichtlich nicht so sex-fixiert, wie gemeinhin angenommen. Laut der Wissenschaftswebseite Psychologytoday.com bestehe zwar eine starke Verbindung zwischen der Zufriedenheit eines Mannes in einer Beziehung und der Häufigkeit physischer Intimität – aber nicht wegen dem Sex: Die Chancen, dass ein Mann glücklich ist, verdreifache sich durch regelmässiges Küssen und Kuscheln. Wenn ich mich nicht täusche, trifft das ja die Präferenzen der Damen wunderbar. So verschieden sind wir eben doch nicht.


Weltwoche, Februar 2019